TiO Prototyp – Mensch oder Bot: Was steckt dahinter?

Darf ich vorstellen – TiO: Sprachcoach und neues Projekt der ProduktMacher. In den letzten Wochen haben wir ihn in Form eines ersten WhatsApp Prototyps getestet. TiO wurde durch die Wizard-of-Oz-Methode zum Leben erweckt. So konnten wir ohne großen Programmieraufwand herausfinden, ob es Kunden für ein solches Produkt gibt und wie sich diese verhalten.

Wie kann TiO beim Deutsch lernen helfen?

TiO (kurz für „Thomas im Ohr“) soll Deutschlernenden helfen auch auf einem hohen Sprachlevel ihre Grammatik, Wortwahl und Satzbau zu verbessern. Im Optimalfall sollte man TiO immer dabei haben können. So könnte TiO in jeder Alltagssituation kontaktiert werden, in der man nicht sicher ist, wie etwas gesagt wird. Denkbar wäre auch ihn “zuhören zu lassen”, um dann zu einem späteren Zeitpunkt Feedback geben zu können. Das ist allerdings erst der nächste Schritt.

Wie kann TiO möglichst unkompliziert umgesetzt werden?

Die App, die wir alle wohl mit am meisten nutzen – WhatsApp – ist auch Grundlage des ersten TiO Prototypen. Ziel war es einen möglichst echten TiO Bot zu simulieren, der die gleichen Funktionalitäten wie das fertige Produkt hat. Gesagt, getan.

Was ist in dieser App möglich? Zum einen kann man Sprachnachrichten senden. TiO kann somit zwar nicht zuhören, jedoch kann mit gesprochener Sprache Kontakt zu TiO aufgenommen werden. Zum anderen können Bilder gesendet werden. Eine Korrektur kann also in Form eines Bildes verschickt werden und geht somit nicht im Chatverlauf unter. Weitere Vorteile sind, dass wir einen anonymen TiO Account über eine Rufnummer erstellen konnten und theoretisch ein Bot über Whatsapp implementiert werden kann. Die perfekte Grundlage also für unser Vorhaben.

Ein Bot ohne eine einzige Zeile Code?

Ja, das geht. Mit einer klaren Anleitung und ein wenig Organisation tun wir einfach als wäre es ein Bot.

Diese Methode nennt man Wizard-of-Oz-Prototyping. Im Grunde gibt man dem User das Gefühl mit einem intelligenten System zu kommunizieren, hinter dem jedoch ein Mensch („Wizard“) steckt. Wichtig dabei ist, dass Input und Output möglichst einfach gehalten werden, damit der Wizard so programmiert und schnell wie möglich antworten kann.

Aber beginnen wir von vorne. Seit einigen Wochen schon arbeiten einige ProduktMacher an Logo, Design, der Website und dem Facebook Auftritt. Mit bewehrten Methoden wie Design Thinking, Lean Canvas und Problem Interviews haben wir Zielgruppe und Markt analysiert. So konnten wir erste Hypothesen zum Lösungsansatz aufstellen und hatten eine erste Vermutung, wie der TiO Bot aussehen und reagieren soll. Das hielten wir in einer genauen Anleitung für den Wizard fest. Da unser Deutschunterricht auch schon ein paar Tage her ist, brauchten wir nur noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Fehler beim Deutsch lernen.

3,2,1 und los!

In der letzten Septemberwoche konnte es dann los gehen. Durch die Reichweite der ProduktMacher, Postings in den verschiedensten Facebook Gruppen und einen TiO Newsletter konnten viele Deutschlernende erreicht werden. Und schon trudelten die ersten Nachrichten ein. Jede wurde händisch bearbeitet und mit einer Grammatikkorrektur beantwortet. Für alle, die TiO nicht geschrieben haben, hier rechts ein Beispiel.

 

 

 

 

Wizard-of-Oz-Prototyping, würden wir es wieder machen?

Während der Testwoche haben die Wizards dokumentiert, welche Probleme auftreten und ob es weitere Anforderungen an das Produkt gibt. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil der Wizard-of-Oz-Methode. Auf mögliche Probleme der Nutzer kann direkt reagiert werden und so die Interaktion schon vor dem Programmieren verbessert werden. Das spart später viel Zeit! 

Wir konnten auch wertvolle Informationen für die spätere Entwicklung sammeln, wie Formulierungen, die User häufig benutzen, und welche Fehler zentral sind. So konnten wir die Zielgruppe besser kennen lernen und das für die weitere Produktentwicklung mitnehmen.

Überzeugt hat uns auch, wie einfach wir den Prototypen umsetzen konnten und welches realistische Ergebnis wir zum Schluss testen konnten. Das ist auf jeden Fall ein klarer Plus-Punkt! Und das, bevor es in diesem Sinne überhaupt (als künstliche Intelligenz) „existiert“. Somit bleibt nur die Frage:

Konnte TiO überzeugen?

Ja, auf jeden Fall. TiO wurde in der Testwoche von Menschen aus 7 Ländern kontaktiert. Eine Umfrage am Ende der Woche ergab, dass die Nutzer TiO mehrheitlich super finden und denken, dass er ihnen helfen kann Deutsch zu lernen.

Auch unser Eindruck während der Testphase war positiv. Die Nutzer schickten TiO Nachrichten zu den verschiedensten Themen und über die Hälfte kontaktierten TiO mehr als einmal. Ob es nun die Vorbereitung eines Vortrags oder einer Prüfung oder einfach spaßeshalber war, waren sie sich am Ende der Woche sehr einig, TiO wieder zu nutzen.

Allerdings kamen auch einige Herausforderungen zum Vorschein. Klar wurde uns vor allem, dass es eine sehr komplexe Aufgabe für einen Bot wird, Grammatikfehler zu verbessern. Vor allem, weil oft auch sinngemäß ein gewisses Sprachgefühl von Vorteil ist. Einig müssen wir uns auch noch werden, ob TiO nur durch Sprachnachrichten oder auch schriftlich funktionieren wird.

Für ein bisschen Verwirrung sorgte auch die Frage, ob TiO nun ein Bot oder ein “Kundenservice” ist. Zum einen bekommt TiO persönliche Nachrichten und Fragen, die nie beantwortet werden (TiO ist ja schließlich ein Bot). Zum anderen sind die Nutzer dann verwirrt, dass es “TiO Geschäftszeiten” gibt (… doch kein Bot, oder wie?) . Das ließ sich in unserem Fall nicht vermeiden, da auch fleißige Werkstudenten Feierabend haben. Ein Bot macht an dieser Stelle dann wohl doch Sinn, obwohl wir alle Nachrichten in maximal 10 Minuten beantworten konnten.

TiO ist noch aktiv!

Klar, gerade läuft unsere zweite TiO Testwoche noch bis zum 20.10.2017!

Ansonsten ist TiO ein wenig zur Ruhe gekommen, aber grundsätzlich antwortet er euch natürlich! Die Nummer ist: +49 152 01304704. Über neue Testphasen halten wir euch auf dem Laufenden, also schaut gerne bei Facebook oder der TiO-Website vorbei. 

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